Zentrum für historische Baustoffe

 


Zentrum für historische Baustoffe

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Projektbeschreibung

(Leider geschlosssen)

Der Abriss des ehemaligen Schlachthofes in Naumburg im Jahr 1999 war so gut wie beschlossen. Die Rettung für den einzigen komplett erhaltenen historischen Schlachthof im Süden Sachsen-Anhalts kam sozusagen in letzter Minute: Das Gebäudeensemble erhielt den Status als Kulturdenkmal. Nun waren Ideen für die Nutzung gefragt. Der Bildungsträger Arbeit und Leben nahm die Herausforderung an: Ein Bergehof mit neuen Arbeitsfeldern im Bereich Kultur- und Denkmalpflege sollte entstehen.

Das Burgenland, gelegen im Dreiländereck im Süden Sachsen-Anhalts, weist mit etwa 6000 Denkmälern die höchste Denkmaldichte in ganz Deutschland auf. Gerade in Städten wie Naumburg mit historischer Altstadt gibt es viel zu sanieren. Da liegt es nahe, historische Materialien wieder zu verwenden. Am Anfang standen Recherche und Dokumentation. Welche Materialien können geborgen und aufgearbeitet werden, wie viel ist in den alten Häusern überhaupt vorhanden?

Wenn Heike Paschko von Arbeit und Leben aus den Anfangsjahren des heutigen Zentrums für historische Baustoffe erzählt, wird schnell klar, dass die Stadt ohne den Bildungsträger, ihr persönliches Engagement und dem der vielen Beschäftigten der Arbeitsförderung sowie der vielen Jugendlichen in den Bildungsprojekten und internationalen Workcamps, das Mammutprojekt kaum hätte bewältigen können. Ab 2002 wurden größere Baumaßnahmen von der Stadt finanziert, ergänzt durch viele Arbeiten in Eigenleistungen. Neben vielen Beschäftigungsmaßnahmen (bis zu 70 Teilnehmer) gab es im Bergehof handwerkliche Ausbildungen oder Teilausbildungen (insgesamt bis zu 40 Auszubildende) in den Bereichen Metall, Maler/Lackierer, Tiefbau, Lagerfacharbeiter und Backwarenfachverkäufer. „Von den Ausbildungen auf dem Bergehof profitierten beide, der Bergehof und der Ausbildungsbereich“, so Heike Paschko. „In den Ausbildungsprojekten wurde tatkräftig an der Sanierung des Bergehofes mitgearbeitet: Den Zaun haben beispielsweise unsere Metaller gemacht. Sie erlernen im Projekt zusätzliche fachliche Kenntnisse, trainieren präzises Arbeiten und nichts was sie machen, landet nachher auf dem Schrott.“ Vieles aus alten Häusern kann weitergenutzt werden. Die am häufigsten wiederverwendeten Baustoffe sind alte Backsteine, Bodendielen, Türen, Fenster und Beschläge. Vom Dachziegel bis zur Kellerfliese, alles was nutzbar ist, bargen die Beschäftigten des Bergehofes. Je nach Zustand wurde das Material dann mehr oder weniger aufgearbeitet, eingelagert, aussortiert oder weiterbearbeitet.
Der Bergehof arbeitete mit der Stadt Naumburg Hand in Hand. Viele der Kunden wurden direkt von der Denkmalpflege geschickt. Sie benötigten alte Baustoffe, um den Originalzustand eines Gebäudes wiederherzustellen. Manchmal kammen auch Bastler, die aus den geborgenen Türen Schränke oder andere schöne Dinge herstellten. Historische Baustoffe haben über den denkmalpflegerischen Aspekt hinaus weitere Vorteile: Sie haben mit ihren Gebrauchsspuren nicht nur einen individuellen Charme, sondern sind immer auch ökologisch. Für ihre Produktion werden weder Energie noch Ressourcen benötigt und sie tragen außerdem zur Abfallvermeidung bei.
Fast zehn Jahre nach dem Start des Bergehofes gab es noch immer so viele zu bergende Objekte in der Region, dass das Team alle Hände voll zu tun hatte. Seit der Tagungsraum und die großen Hallen fast fertig waren, fanden erste Konzerte und Tagungen statt. Jugendliche aus der ganzen Welt kamen, um an mehrwöchigen Workcamps teilzunehmen. Ein Ökogarten entstand, der künftig die Küchenversorgung unterstützen sollte. Kulturprojekte, die sich mit der historischen Entwicklung der Stadt auseinandersetzten oder kreative Sozialprojekte, beispielsweise zur Umgestaltung alter Kleider, sollten folgen.Im Mittelpunkt standen für Heike Paschko die Menschen und ihre Region: „Eigentlich war es mein Traum, eine Art Sozialbetrieb mit aufzubauen, um Leuten, die in einer Region, in der die Arbeit weggebrochen ist, keinen Job mehr kriegen, neue Chancen zu bieten. Viele könnten hier wunderbar mitarbeiten“. Naumburg ist ihre Wahlheimat. Manchmal wundert sie sich, wie viel Wissen über die Region, die eine so reichhaltige Geschichte vorzuweisen hat, verschüttet ist.

1999 - 2012/ Leider im Jahr 2012 geschlossen - als wichtiger Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung belassen wir das Projekt dennoch in unserer Datenbank.

Ehemals: Zentrum für historische Baustoffe (Träger Arbeit und Leben)
Roßbacher Str.12 ( Alter Schlachthof)
06618 Naumburg
Tel. 03445 - 781911Fax. 03445 - 234953

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